Alt Rehse History Podcast - Folge 1
Shownotes
Angesichts der Bedeutung des Ortes Alt Rehse soll ein Ausstellungs-, Dokumentations- und Bildungszentrum aufgebaut werden. Dieser Lern- und GeDenkOrt will nicht nur die Geschichte präsentieren, sondern neue Akzente im wissenschaftlichen, pädagogischen und touristischen Angebot setzen.
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00:00:07:
00:00:16: Der gesamte Ort funktioniert wie eine Art Theaterkulisse und sollte den Lehrgangsteilnehmerinnen und den Besuchern vermitteln, wie man sich den Nationalsozialistischen Staat die sogenannte Volksgemeinschaft vorstellte.
00:00:35: Alt-Rese History Podcast Folge eins.
00:00:39: Thema Warum wir tun was wir tun?
00:00:42: Das Projekt Lern- und Gedenkort Altrese.
00:00:46: Zu Gast heute Dr.
00:00:47: Rainer Stommer.
00:00:49: Altreses ist ein idyllisches Dorf am Westufer des Tollensesees, es ist ein Ort der zum Verweilen einlädt – doch dieser Ort ist aufgeladen mit Geschichte!
00:00:59: Am ersten Juni, im Jahr hier wurde dort die Führerschule der Deutschen Ärzteschaft eröffnet.
00:01:06: In dieser Schule wurden Ärzte und Ärztinnen im Sinne des nationalsozialistischen Weltbilds ideologisch ausgebildet.
00:01:14: Zwei Tausend Eins wurde der Verein Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte Altrise gegründet, er setzt sich dafür ein einen dauerhaften Lern- und Gedenkort in Altrese einzurichten.
00:01:34: Das Projekt Lern- und Gedenkort Altrese.
00:01:37: zu Gast Dr.
00:01:38: Rainer Stommer.
00:01:40: Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zur ersten Folge des Altrese History Podcast!
00:01:46: Wir freuen uns das ihr eingeschaltet habt.
00:01:49: Mein Name ist Heike Tausch.
00:01:50: ich bin Projektmitarbeiterin im Lern und Gudenkort altrese.
00:01:55: Mit Staat dieser Podcast-Reihe informieren wir euch von nun an regelmäßig über die Geschichte Altreses und die vielfältige Arbeit des Lern-und Gedenkortes.
00:02:05: Der Podcast entsteht im Rahmen der vom europäischen Sozialfonds geförderten Projekts Touristische Vernetzung.
00:02:14: Das Thema unserer Auftaktfolge lautet, warum wir tun was wir tun Sinn und Zweck des Lernen und Gedenkkortes Altrese.
00:02:22: Dafür dürfen wir einen richtigen Experten als Gast begrüßen.
00:02:26: Er ist Historiker und seit Zweitausendfünf Projektleiter des Lern- und Gedenkortes Altrese.
00:02:33: Und damit seit über fünfzehn Jahren die prägende Figur der Arbeit des Vereins.
00:02:37: Herzlich willkommen, Dr.
00:02:39: Rainer Stommer!
00:02:41: Ja hallo Heike Tausch, liebe Zuhörerinnen und Zuhöre bei diesem ersten Podcast.
00:02:47: Herr Dr.
00:02:47: Stommar, lassen Sie uns zum Einstieg mit einer schnellen Frageantwortrunde beginnen?
00:02:52: Ich bitte Sie Ihre Antworten möglichst kurz zu halten.
00:02:56: Als Projektleiter einer Gedenkstätte mit öffentlichem Bildungsauftrag, was sind für Sie die drei zentralen Aspekte der Gedenken- und Bildungsarbeit des Lern- und Gedenkkortes Altrese?
00:03:10: Altrese ist ein weitgehenderhaltendes großräumiges Baudenkmal aus der Zeit des sogenannten Dritten Reiches.
00:03:18: Es ist ein außergewöhnliches Beispiel für den Typus des nationalsozialistischen Schulungslagers.
00:03:25: An solchen Schulungslager lässt sich sehr gut analysieren, mit welchen ideologischen Mitteln Menschen damals induktriniert werden sollten aber auch attraktive Angebote unterbreitet wurden um sie für das System zu gewinnen.
00:03:42: Mit welchen drei Begriffen würden Sie die Geschichte Altreses beschreiben?
00:03:47: Im Zusammenhang mit Altrese fallen mir immer die drei Begriffe Idyll verbrechen Verantwortung als erstes
00:03:55: ein.
00:03:55: Könnten Sie Ihre Auswahl etwas näher erläutern?
00:03:59: Wenn man an diesen Ort kommt, fällt einem zuerst das sehr idyllische Dorfbild auf.
00:04:05: Dass eigentlich verschleiert, zu welchen verbrecherischen Handlungen die Ärztinnen und Ärzte, die im Schulungslager zu Kursen zusammengekommen sind, angehalten werden sollten.
00:04:20: Und wenn wir uns mit diesen Verbrechen auseinandersetzen, dann stellt sich für uns heute sehr schnell die Frage nach der damaligen Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten an ihrem Handeln und tun aber auch durchaus bezogen generell auf die Frage Nach Verantwortung im Kontext von eigenem Handeln in gesellschaftlichen Kontext.
00:04:48: Vielen Dank für Ihre kurzgehaltenen Antworten.
00:04:51: Auf die folgenden Fragen können Sie gerne etwas ausführlicher antworten.
00:04:55: Bleiben wir zunächst bei Ihrer eigenen Geschichte?
00:04:58: Was war für Sie eigentlich der bisher spannendste Fund oder die spannendste Begegnung in Ihrer Arbeit als Historiker?
00:05:06: Ich habe in der Auseinandersetzung mit Altresel viele Menschen getroffen, viele Zeitzeugungen und ihre Kinder- und Enkelkinder, die spannende Dinge zu erzählen hatten.
00:05:17: Da bin ich aber immer aus einer distanzierten Position als Historiker gefragt gewesen.
00:05:23: Auf eine Tagung vor einigen Jahren bin ich auf einen Kollegen gestoßen, mit dem ich ganz zufällig ins Gespräch gekommen bin über die Herkunft unserer Familien und dabei ergab sich für mich die überraschende Situation des zwei enger Familienmitgliedern im KZ gesessen haben von dem in unserer Familie nie erzählt worden ist.
00:05:47: und plötzlich hatte ich ein ganz anderes Verhältnis auch zu persönlichen Geschichten von Personen während der Zeit des Dritten Reiches.
00:05:58: Und konnte mir sehr viel genauer vorstellen, warum so viele Schweigen in den Familien über die Geschichte von Familienangehörigen während derzeit stattgefunden hat.
00:06:11: Wie kamen Sie dazu, sich mit der Geschichte Altreses zu beschäftigen und das Projekt Lern- und Gedenkort Altrese ins Leben zu rufen?
00:06:21: Ich habe mich schon seit meinem Studium mit dem Nationalsozialismus und vor allen Dingen mit nationalsozialistischer Architektur beschäftigt.
00:06:30: und bin dann später in die Gedenkstättenarbeit gelangt.
00:06:36: Und im Jahr zwei tausendundfünf wurde ich von dem Verein gefragt, ob ich die weitere Arbeit in Altrese vorantreiben wollte.
00:06:46: Mich hat dieser Ort sehr gereizt weil ich die Bedeutung des Ortes schon sehr früh verstanden habe und dass er über dieses kleine Dorf weit hinausreicht, einen zentralen Aspekt der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus berührt.
00:07:05: Und deshalb hab ich mich zusammen mit dem Vorstand seitdem darum bemüht die Arbeit des Vereins und die Arbeit vor Ort auf einem größeren Fuß zu setzen, einen größeren Rahmen zu bringen und dafür haben wir den Begriff Lern- und Gedenkort Altrese geprägt.
00:07:26: Welche Ziele verfolgen die Nazis mit der Führerschule?
00:07:30: Man beabsichtigt den größten Teil der damaligen Ärztinnen und Ärzte nach Altrese zur Schulungskursen zusammenzubringen um sie in ihrer ideologischen Haltung bezüglich der Rassenhygiene des Dritten Reiches zu verfestigen und auf die damit verbundenen notwendigen Aktivitäten der Ärzteschaft einzuschwören.
00:07:58: Das heißt, sie dafür zu gewinnen, die die Rassengesetze des Dritte Reiches praktisch
00:08:05: umzusetzen.".
00:08:08: Altriese ist ein Ort der Täter und Täterinnen.
00:08:11: Welche Chancen und Herausforderungen bringt die Arbeit an einer solchen Gedenkstätte mit sich?
00:08:17: Im Vergleich zu Gedenksstätten, die sich auf die Geschichte der Opfer fokussieren.
00:08:21: Wie zum Beispiel KZ-Gedengsstätten.
00:08:26: Opfer und Täterschaft lässt sich eigentlich nicht voneinander trennen.
00:08:30: Auch in den KZgedenkstättern hat es gerade bei dem Aufsichtspersonal und bei den Bewachern Täter gegeben Und das, was in Altrise gelehrt worden ist hat natürlich dann die verbrecherischen Konsequenzen für die Opfer gehabt.
00:08:49: In den anderen Gedenkstätten stehen aber natürlich und selbstverständlich die Opfageschehen, das Opfergeschehen und die Biografien der Menschen, die dort umgekommen sind im Vordergrund.
00:09:02: Wir beschäftigen uns dagegen sehr viel stärker mit der Motivation von Tätern.
00:09:07: Das heißt die Frage, wie konnte es dazu kommen dass insbesondere Ärzte, die doch eigentlich eine hohe ethische Verpflichtung zum Schutze des Menschen haben sich in den Dienst von solchen verbrecherischen Maßnahmen gestellt haben?
00:09:22: und das zu analysieren bringt uns glaube ich sehr viel Material dazu zu verstehen wie Nationalsozialismus funktioniert hat, wie die Massenbasis herausgebildet wurde?
00:09:36: Was ist das Spannende, Besondere an diesem geschichtsträchtigen Ort?
00:09:40: Die Funktion von Altrese erklärt sich nicht von selbst.
00:09:45: Wenn man dort hinkommt wird man zuerst einmal mit dieser Idylle der Landschaft und des Orts konfrontiert.
00:09:54: Das ist aber keine Idyll die nur aus einem Schönheitsbedürfnis entstanden ist sondern das ganze dient quasi einer architektonischen Materialisierung, einer gesellschaftlichen Utopie.
00:10:09: Der gesamte Ort funktioniert wie eine Art Theaterkulisse und sollte den Lehrgangsteilnehmerinnen und den Besuchern vermitteln – wie man sich den nationalsozialistischen Staat die sogenannte Volksgemeinschaft vorstellte, wenn die Aufgaben, die man der Ärzteschaft abverlangte bezüglich Zwangssterealisation und Rasenhygiene endgültig umgesetzt sind.
00:10:35: Was können wir?
00:10:36: Was kann die Gesellschaft im Allgemeinen aus einer Beschäftigung mit der Geschichte dieses Ortes lernen?
00:10:43: Neben der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte geht es uns vor allen Dingen darum auch Bezüge zur Gegenwart herzustellen und damit also kritischer Nachdenken über das eigene Handeln und Tun auf den Weg zu bringen.
00:10:59: Und wir glauben, dass sich dies an einem Ort wie alte Rese besonders gut nachvollziehen lässt weil man bei dem Studium dieser Verschiebung die sich in ethischen Grundprinzipien in einer Gesellschaft während des Dritten Reiches vollzogen haben auch durchaus lernen kann, wie wachsam man heute sein muss wenn sich neue ethische Fragen im gesellschaftlichen Kontext stellen und dass das nicht nur alleine staatliche Aufgaben sind sondern dass jeder in seiner eigenen Verantwortung, in seinem eigenen Tunen oder in seinem eigen beruflichen Umfeld immer wieder danach gefragt wird dazu Stellung zu nehmen.
00:11:44: Herr Dr.
00:11:44: Stommer vielen Dank für Ihre Zeit und ihre aufschlussreichen Antworten sowie den interessanten und würdigen Staat unserer neuen Podcastreihe.
00:11:53: Vielen Dank für die Fragen, ich danke auch für das Interesse unserer Zuhörerinnen und Zuhöhre!
00:12:00: Wir sind nun am Ende unserer Sendung angelangt.
00:12:04: Falls ihr mehr über die Geschichte al Dresis und die Arbeit des Lern-und Gedenkortes erfahren möchtet, besucht unsere Website unter eBB –alt-,rese.de.
00:12:17: Wir suchen nach Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die uns ihre Geschichte zu Altrese erzählen.
00:12:23: Egal ob sie in der Zeit des Nationalsozialismus oder nach der Wiedervereinigung mit diesem Dorf in Berührung gekommen sind – ihr oder jemand den ihr kennt hat oder hatte in seiner Vergangenheit einen persönlichen Bezug zur Altrese?
00:12:40: Hat vielleicht auch eine Zeit lang dort gelebt Oder kam in irgendeiner Form mit der Geschichte dieses Dorfes in Berührung?
00:12:48: Dann meldet euch gerne auch bei uns unter podcast.ebb-alt-rese.de.
00:12:58: Die E-Mailadresse findet ihr auf unserer Website.
00:13:01: Wir freuen uns über eure Mails, Kommentare, Lob und konstruktive Kritik!
00:13:07: Das war's für heute – wir danken euch fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
00:13:11: Euer Heike.
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